Die vier Zimmer der Bachgedenkstätte

Auf das engste mit dem Leben und Wirken Bachs in Köthen verbunden war das höfische Leben im Schloss. Was lag also näher, als neben Johann Sebastian Bach auch die Residenz Köthen und die fürstliche Familie sowie das gesamte Umfeld Bachs einmal vorzustellen?

Die perfekte Kulisse dafür bieten die liebevoll restaurierten Räume der Wohnung der Fürstin, zumal in der Vergangenheit die erste Frau des Bachfürsten Leopold, Friederica Henrietta, unberechtigterweise als allein schuldig am Fortgang Bachs aus Köthen dargestellt wurde.

Im "Roten Zimmer", dem einstigen Audienzzimmer der Fürstin, zeigen die Gestalter des Museums die Bilder aus der traditionellen Potentatengalerie des Köthener Schlosses und stellen dem Besucher damit gleichsam die Mitglieder der fürstlichen Familie Leopolds vor. Mit diesen vereint ist heutzutage nun auch das Bild Leopolds selbst, in der Zeit Bachs aus Gründen des Machtanspruches im Großen Saal (dem heutigen Spiegelsaal) angebracht.

Im heutigen Köthen-Zimmer begann früher der eigentliche Intimbereich der Fürstin – kein Wunder, dass der Besucher beim Durchschreiten des außen liegenden Ganges nicht in der Lage ist, durch das Fenster in diese Zimmer hinein zu schauen. Mit den Bildern an den Wänden und in einigen Exponaten kann hier die für junge Adlige übliche Kavalierstour Leopolds nachvollzogen werden. Der andere Teil des Raumes beschäftigt sich mit dem Umfeld Bachs. Mit Recht bestaunt werden hier zum Beispiel die erstklassigen Handwerkserzeugnisse der Manufakturen in der Stadt, aber auch scheinbar sehr profane Dinge, wie überdimensionale Marzipanformen für die fürstlichen Geburtstagstorten, sind dazu angetan, die Neugier der Besucher am Leben im barocken Köthen zu wecken.

Wie der Name schon offensichtlich macht, rückt im „Bach-Zimmer“, der „zweiten Cammer“ der Fürstinnen-Wohnung, das Köthener Schaffen des großen Musikers in den Mittelpunkt. Die in Köthen geschaffenen Werke werden vorgestellt, ein Eindruck von der Art und Weise, wie damals Musik gemacht und aufgeführt wurde, lässt sich in Exponaten wie Musikinstrumenten, aber auch Bildern und Dokumenten gewinnen. Gestreift werden natürlich auch das Leben Bachs hier, seine Familie und Freunde. Prunkstück der großenteils original barocken Instrumente ist sicherlich der auch oft in Konzerten genutzte Nachbau eines Miethke-Cembalos, jenes Instrumentes, zu dessen Abholung Bach höchstpersönlich nach Berlin reiste.

In doppelter Hinsicht interessant ist der grüne Brocatell (Halbseide), mit welchem die Wände des so genannten "Grünen Zimmers" bespannt sind. Denn nicht nur der Raum wirkt dadurch ungemein prächtig, sondern ein solcher Stoff schmückte zu Zeiten Bachs auch den Großen Saal, welcher heute als Spiegelsaal ein gänzlich anderes Aussehen bietet. Dieser Raum illustriert mit vielen Gemälden und Kunstgegenständen den Versuch Leopolds, Köthen zu einer beeindruckenden Residence nach französischem Vorbild zu machen, ein Unterfangen, dass an der zu kurzen Finanzdecke und vor allem auch an den widerstrebenden Kräften innerhalb der eigenen Familie lag.

 

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