1. Mai in Köthen

Diese Fotos zeigen Impressionen von Maidemonstrationen in Köthen zu DDR-Zeiten. Der 1. Mai – Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse - wurde nicht erst in der DDR gefeiert. Auf dem Gründungskongress der Zweiten Internationale 1889 in Paris war er in Erinnerung an die Opfer der sogenannten „Haymarket Affair“, einer blutigen Auseinandersetzung zwischen Demonstranten und der Polizei während eines Streiks in Chicago drei Jahre zuvor, ausgerufen worden. Seither gab es an diesem Tag Massendemonstrationen und auch Streiks auf der ganzen Welt. In der Weimarer Republik scheiterte der Versuch, den 1. Mai zu einem gesetzlichen Feiertag zu machen, die Nationalsozialisten hingegen führten ihn als „Tag der nationalen Arbeit“ schon ab 1933 ein. Massenaufmärsche und pompöse Feierlichkeiten pervertierten die ursprüngliche Idee, während die Gewerkschaften zerschlagen und die Arbeiter in der Deutschen Arbeitsfront gleichgeschaltet wurden. Auch für Köthen sind derartige Veranstaltungen durch Berichte und auch Bildmaterial hinlänglich dokumentiert.

In der DDR war es dann wieder der „Internationale Kampftag der Arbeiterklasse“, der auch in Köthen groß gefeiert wurde. Schon Wochen vorher organisatorisch und propagandistisch vorbereitet und aufgeladen, fanden sich die Betriebskollektive, Massenorganisationen, Schüler usw. an den Stellplätzen ein, um dann im Demonstrationszug an der Tribüne locker vorbeizumarschieren, die üblicherweise an der Ecke Bergstraße/Friedhofstraße (damals Straße des 7. Oktobers) aufgebaut war. Die heitere Stimmung überwog zumeist, da man sich auf die anschließenden ebenfalls zentral organisierten Festlichkeiten im Stadtzentrum freute. Die Demonstration selbst nahmen vor allen Dingen in den letzten beiden Jahrzehnten der DDR viele eher wie ein unabwendbares Naturereignis hin. Eine Teilnahme war offiziell keine Pflicht, manche Betriebe lobten sogar einen freiwilligen Obolus für die Kollegen aus, die sich beteiligten. Dieser lag üblicherweise in den 80er Jahren bei fünf Mark. Die obligatorische Nelke musste teilweise gekauft werden.

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