Aus dem Depot: Jauchenschöpfer

Auf dieses Objekt aus dem Depot passt das Attribut „skurril“. Es ist eine der sinnfälligsten Umwidmungen von ursprünglich militärisch genutztem Gerät und handelt sich um einen Wasserschöpfer bzw. Jauchenschöpfer, sehr praktisch und solide gearbeitet. Das Schöpfgefäß ist dabei aus einem deutschen Stahlhelm gefertigt worden, von denen nach Ende des Krieges sehr viele übrig waren.

Größeres militärisches Gerät und Waffen wurden nach dem Krieg meist sehr schnell zentral gesammelt. Zum einen ging es dabei um die Verwertung der wertvollen Ressourcen und die Sicherstellung aller gefährlichen Dinge wie Munition oder Sprengstoff. Zum anderen waren die Alliierten daran interessiert, nutzbare Technik und neue Entwicklungen in die Hände zu bekommen. So gibt es beispielsweise ein komplettes Dossier des britischen Geheimdienstes über die Radartechnik auf dem Köthener Flugplatz, die damals dem höchsten Stand der Technik entsprach und sofort abgebaut und abtransportiert wurde. Kleinere Stücke hingegen sammelte man auch lokal ein und nutzte sie in dieser Zeit, wo es an allem mangelte, für jedweden Zweck, für den es geeignet befunden wurde.

Und damit beschloss sich auch das Schicksal des Stahlhelms, dem Anschein nach der Modellreihe M42 zugehörig, eingeführt im April 1942. Zur Wiederverwendung wurden Innenfutter und Kinnriemen, soweit noch vorhanden, entfernt, die Lüftungslöcher verschlossen und das Rohr für den Holzstiel angeschweißt. Es ist nicht bekannt, wann das Stück in den Altbestand des Historischen Museums kam oder wo es genutzt wurde. Es reiht sich in weitere Objekte aus dieser Zeit ein, darunter Hocker, die aus Leitwerken von Raketenflugkörpern gebaut wurden.