Bach in Köthen

Bachs Dienstherr - Fürst Leopold

Spannend wäre die Reaktion von Fürst Leopold von Anhalt-Köthen, wenn er darum gewusst hätte, dass er knapp 300 Jahre später fast immer als Bachfürst bezeichnet wird. Ob ihm der Gedanke gefallen hätte, dass sich sein heutiger Bekanntheitsgrad fast ausschließlich auf der Anstellung Bachs als Hofkapellmeister begründet? Leopold, Fürst zu Anhalt-Köthen, Herzog zu Sachsen, Herzog zu Engern und Westphalen, Graf zu Askanien, Herr zu Zerbst und Bernburg lautet der vollständige Name von Bachs Dienstherrn.

Am 29. November 1694 wurde Leopold als zweites Kind des Fürstenpaares Emanuel Leberecht und Gisela Agnes geboren. Sein älterer Bruder August Leberecht war bereits als Säugling gestorben und somit rückte der kleine Leopold in die Rolle des Primogenitus, des Erstgeborenen. Diese Rolle wuchs, als Vater und Fürst Emanuel Leberecht 1704 mit 33 Jahren starb und Leopold die Regentschaft zustand. Zunächst übernahm seine Mutter Gisela Agnes von Anhalt-Köthen dieses Amt. Sie war resolut, erwarb sich den Respekt der anderen Anhaltischen Häuser, die zunächst auf die Tochter eines niederadeligen lutherischen Rittergutsbesitzers geringschätzig herabgeblickt hatten. Sie versuchte, den kleinen Leopold, der wie seine Vorväter der reformierten Konfession angehörte, auf die Seite der Lutheraner zu ziehen. Dem verweigerte sich Leopold bereits in jungen Jahren, auch gab es Widerstand seitens des Obervormundes, Friedrich I., König von Preußen.

Frühzeitig war klar, dass Leopold nicht den Weg seiner Vorväter einschlagen und eine militärische Karriere verfolgen würde. Mutter Gisela Agnes war offensichtlich strikt dagegen und die zeitlebens fragile Gesundheit des Prinzen dürfte die Pläne zerschlagen haben, wenn sie nicht ohnehin Hauptgrund für den Widerstand der Fürstin gewesen waren. Leopold selbst trug schwer daran, der Tradition des Hauses nicht folgen zu können. Sein großformatiges Bild im Köthener Schloss zeigt ihn im soldatischen Habitus und nicht in Prunkrüstung. Noch ein Detail fällt auf: Leopold trägt keine Perücke, ein damals eigentlich unentbehrliches Accessoire und Standessymbol.