Das erste Streaming-Wochenende im Schloss

Der Johann-Sebastian-Bach-Saal im Veranstaltungszentrum Köthen ist seit dem 14. Mai der Ort für ein Streaming-Projekt, das das Schloss Köthen und die Firma Megaton gemeinsam veranstalten. An 15 Terminen bis zum 6. Juni erhalten Künstler aus Köthen die Gelegenheit, nach vielen Wochen wieder vor ein Publikum zu treten, selbst wenn dieses nur vor den heimischen Bildschirmen sitzt und den Auftritt auf der YouTube-Plattform verfolgt. Seinen Auftakt nahm das Streaming am 14. Mai von 19 bis 19.45 Uhr nahezu zeitgleich mit der Sitzung des Kreistages Anhalt-Bitterfeld, der an diesem Tag im Veranstaltungszentrum tagte. Im Nachbarsaal spielten Big Böörnd & his Soundshreckers.

Am 15. Mai gehört die Bühne ab 19 Uhr für 45 Minuten Ulli Schwinge. Der Sänger war nach Beendigung der Leipziger Musikhochschule Mitglied verschiedener Rockbands und komponierte in den 70er Jahren seine ersten Songs. Seit 1984 als Solokünstler unterwegs, wurde er vor allem mit Schlagern bekannt. Schwinge komponierte auch nach 1990 Schlager und konnte 1992 seine zweite LP „Keine Zeit zum Träumen“ veröffentlichen. Seine größten Erfolge hatte der Sänger in den 90er Jahren in Südafrika. Mehrere seiner Kompositionen wurden von afrikanischen Künstlern neu aufgenommen; für die Plattenverkäufe in Südafrika wurde Schwinge mehrfach mit der Goldenen Schallplatte sowie mit einer Platinplatte ausgezeichnet. Ulli Schwinge ist auch als Musikproduzent tätig und schrieb u. a. Lieder für Graham Bonney (Der Sommer mit Marie), Siw Malmkvist (Duett Denkst Du denn wirklich…), Hans-Jürgen Beyer (Wolke 7) und Gaby Rückert. Im Februar 2016 veröffentlichte der Sänger, der im Zörbiger Ortsteil Schortewitz mit seiner Familie lebt, die Single „Die Kraft der Gefühle“, für die er erstmals mit Texter Rainer Thielmann zusammenarbeitete. Schwinge und Thielmann schrieben in der Folgezeit weitere Songs. Die Veröffentlichung des neuen Albums „Ein paar Akkorde“ war im März 2019. Auf diesem Album nennt der Künstler seine Songs ganz bewusst „Chansons“, die er als feine Melange aus balladeskem Pop, Swing und anspruchsvollem Schlager beschreibt. „Unterhaltsam, poetisch, niveauvoll und voller Gefühl“ wird Schwinges Album beworben.

Ein Heimspiel auf der virtuellen Bühne geben am 16. Mai die Rockin‘ Robins. Diese rockenden Rotkehlchen sind sieben junge Musiker von zwölf bis 24 Jahren und gehören zur Gesangsgruppe Rotkehlchen Anhalt. Nach den Rotkehlchen Kids sind sie die nächstältere Nachwuchsgruppe des Vereins. Die jungen Sänger, die seit 2018 gemeinsam musizieren – damals in anderer Besetzung -, können auf etliche öffentliche Auftritte verweisen, darunter beim Kuhfest und beim Kleinkunsttag in Köthen. Das Repertoire der Musiker ist breit aufgestellt, Rock von „The Cranberries“ gehört ebenso dazu wie Songs der „Münchner Freiheit“ oder von Andreas Gabalier.

Der erste Block des Streaming-Angebotes „Kultur findet statt (und) trotz(t) Pandemie“ geht am 17. Mai um 15 Uhr mit Puppenspiel und Lesung zu Ende. Axel Jirsch zeigt sein Stück „Rotkäppchen“, die Neue Fruchtbringende Gesellschaft und deren Vorsitzende Uta Seewald-Heeg komplettieren das Angebit am Sonntagnachmittag. Jirsch, 1951 in Köthen geboren, arbeitet nach seiner Ausbildung an der Berliner Schauspielschule „Ernst Busch“ seit 1982 als freischaffender Puppenspieler, Puppenbauer/Szenograf und Grafiker. 1983 gründete er das „Kunstfiguren-Theater Schelle“. Er tritt vorwiegend als Solopuppenspieler auf. Seinen eigenen Inszenierungen liegen Märchenstoffe zugrunde, deren Grundgehalt übernommen und bearbeitet wird, ohne vordergründig zu „modernisieren“. Da Erwachsene nicht unterfordert werden, sind diese Produktionen keineswegs nur für Kinder gedacht. Als Puppentheater-Ausstatter arbeitet der Köthener für Ensembles und Einzelspieler. Sein besonderes Interesse gilt Effekten, die im „Menschentheater“ nicht realisierbar sind, die aber die Handlung auf zauberhafte Weise bereichern und somit das Puppentheater als Darstellungsform aufwerten. Er übernahm bisher unter anderem Ausstattungen für Puppentheater in Berlin, Halle, Naumburg, Magdeburg und für eigene Inszenierungen.