Fotofund verbindet die Arbeit von zwei Museen

Das Museum Synagoge Gröbzig und das Historische Museum im Schloss Köthen werden künftig ihre wissenschaftliche Zusammenarbeit intensivieren. Die beiden kulturellen Einrichtungen im Landkreis Anhalt-Bitterfeld informierten am 14. August bei einem Pressegespräch auf dem Jüdischen Friedhof in Gröbzig über die Kooperation.

Historische Fotografien aus dem Bestand des Historischen Museums waren der Auslöser für die engere Zusammenarbeit der beiden Museen. Ursprünglich war man im Schloss Köthen davon ausgegangen, dass diese Bilder auf dem früheren Jüdischen Friedhof in der Stadt entstanden waren. Die für die Übersetzung aus dem Hebräischen hinzugezogene Leiterin der Gröbziger Synagoge, Anett Gottschalk, identifizierte die Aufnahmen jedoch schnell als solche, die auf dem Jüdischen Friedhof in Gröbzig gemacht worden sind.

„Durch einen Zufall ist die Verknüpfung von zwei Einrichtungen entstanden, die mir besonders am Herzen liegen“, sagte Anhalt-Bitterfels Vizelandrat Bernhard Böddeker auf dem Jüdischen Friedhof. Er hob die Bedeutung der Vernetzung von kulturellen Einrichtungen unabhängig von deren Trägerschaft hervor und erklärte die Zusammenarbeit der beiden Museen als „besonderes Highlight“, würden doch wichtige Ressourcen gebündelt und besondere Fähigkeiten zusammengefasst, so dass „ein großes rundes Bild entsteht“.

Christoph Erdmann, Leiter der Museen im Schloss Köthen, berichtete davon, dass die Fotografien – es handelt sich um mehr als 150 Bilder – 1944 im Auftrag des dem Goebbels-Ministerium unterstellten „Reichsinstituts für die Geschichte des neuen Deutschland“ angefertigt worden sind. Laut Anett Gottschalk bietet der Fund die Voraussetzung, um die Zusammensetzung der früheren jüdischen Gemeinde in Gröbzig rekonstruieren zu können. So fanden sich unter den Fotos allein zehn Abbildungen von Grabsteinen, die heute nicht mehr existieren, in anderen Fällen lassen sich auf den Aufnahmen Inschriften lesen, die im Laufe der Jahrzehnte auf den Grabsteinen verwittert sind. „Uns helfen die Fotos sehr weiter und wir sind dankbar für diesen Fund“ sagte sie.

Zwei Jahre voraus blickte KKM-Geschäftsführerin Christine Friedrich. Die Zusammenarbeit beider Museen sei vor allem für die Ausstellungsplanung 2023 von Bedeutung. Dann steht im Museum Synagoge Gröbzig die Neueröffnung der Dauerausstellung bevor, die Museen im Schloss Köthen planen eine Sonderschau, die die Machtergreifung der Nationalsozialisten und deren Folgen thematisiert. Die Ausstellung wird vor allem über Wirtschaft, Alltag und das Leben in den 1930er Jahren in Köthen informieren. „Das Konvolut an Bildern erlaubt uns jetzt die Biografie-Forschung“, so Friedrich. (14. August)