Fruchtbringende Gesellschaft: Philipp von Zesen

Viele Entwicklungen der deutschen Sprache nahmen in der Fruchtbringenden Gesellschaft ihren Ausgangspunkt. Hier entstanden unter Fürst Ludwig zahlreiche Übersetzungen oder beispielsweise unter Christian Gueintz erste Vorgaben zur Rechtschreibung. In den Reihen der Fruchtbringer findet sich noch eine weitere literatur- und sprachgeschichtliche Schlüsselfigur, wenn nicht gar ein kleines Universalgenie – „der Wohlsetzende“ Philipp von Zesen.

Geboren in Priorau bei Dessau gilt Zesen als der erste Berufsschriftsteller: Davon zeugen 279 veröffentlichte Bücher – darunter Stadtbeschreibungen, ein mythologisches Handbuch, Übersetzungen zum Festungsbau und zur menschlichen Gesundheit, Gebetbücher, hunderte Gedichte und der erste eigenständige Roman in deutscher Sprache.

Gleichwohl überschritt Zesen mit einigen seiner Dicht- und Klangexperimente und skurrilen Wortschöpfungen allzu häufig die Grenzen des damals allgemein Üblichen und machte sich damit auch innerhalb der Fruchtbringenden Gesellschaft nicht nur Freunde. Beispielsweise besteht Zesen darauf, dass sich Lied mit geblüht, Bild und brüllt oder auch Sauerteig mit Feuerzeug reimen. Auch Fürst Ludwig klagt mehrfach über die „Übelschreibung“ Zesens.

Dennoch ermöglichte „der Wohlsetzende“ mit der inhaltlichen Breite seiner Übersetzungen einen beachtlichen Wissens- und Erkenntnistransfer – vor allem aus den Niederlanden und Frankreich in unseren Kulturraum.  Kaum jemand spielte so produktiv mit Sprache und schuf so viele neue Wörter wie Zesen – verdanken wir ihm doch unter anderem die „Leidenschaft“, die „Anschrift“ oder auch den „Augenblick“.

Neben vielen erfolgreichen gibt es auch erfolglose Eindeutschungen Philipp von Zesens, etwa „Meuchelpuffer“ (für Pistole) oder „Lustgetöne“ (für Musik). Seinem Geburtsort Priorau hat von Zesen das vielstrophige Poem „Priorau oder Lob des Vaterlandes“ gewidmet.

Text: Julia Schinköthe (Neue Fruchtbringende Gesellschaft)