Homöopathie: Auf den Spuren Hahnemanns

Samuel Hahnemann, der Begründer der Homöopathie, wohnte nicht nur in Meißen, Hermannstadt/Siebenbürgen, Leipzig und Köthen. Im Laufe seines 88-jährigen Lebens ließ er sich in zahlreichen Städten und Dörfern nieder: Wikipedia verzeichnet 26 Wohnorte. In 25 Berufsjahren soll er 20 Mal umgezogen sein.

In Gommern verbachte Hahnemann mit seiner jungen Ehefrau eine für seine Verhältnisse längere Zeit von 1783 bis 1785. Die folgenden beiden Jahrzehnte waren für Hahnemann und seine ständig größer werdende Familie unstete Wanderjahre. Sein kärgliches Auskommen aus der ärztlichen Tätigkeit besserte er durch zahlreiche Übersetzungen sowohl von Fachliteratur als auch von belletristischen Werken auf. 1785 begann Hahnemann in Dresden zu praktizieren. Bis Ende September 1789 lebte er in der Stadt, teils praktizierend, teils schriftstellernd. Richard Haehl (1922) gab an, dass Hahnemann „ein ganzes Jahr lang unter Zustimmung des Magistrats sämtliche Krankenhäuser der Stadt als Stellvertreter für den erkrankten Stadtphysikus versehen“ hätte. Er bekam so Einblick in die Gerichtsmedizin, was sich u. a. in einer Schrift über die Arsenikvergiftung niederschlug. In den Archivalien des Dresdner Stadtarchivs findet sich für seine Vertretungstätigkeit zwar kein Beleg, aber doch ein Bewerbungsschreiben Hahnemanns um das Dresdner Stadtphysikat vom 23. Februar 1788, das aber keinen Erfolg hatte.

Neben einer ganzen Reihe von Übersetzungen aus dem Englischen und Französischen (hauptsächlich medizinischer Fachbücher, aber auch eines umfangreichen belletristischen Werkes) begann Samuel Hahnemann in Dresden regelmäßig wissenschaftliche Beiträge zu veröffentlichen, so die Schrift „Über die Weinprobe auf Eisen und Blei“ (1788), die es ermöglichte, die Verfälschung von Wein mit giftigem Bleizucker nachzuweisen. Die Hahnemannsche Weinprobe machte seinen Namen bekannt; sie wurde von der preußischen Regierung für die Weinhändler der Stadt Berlin vorgeschrieben.

Mit der Weinprobe von Hahnemann lässt sich übrigens der Bogen zu einem großen Komponisten schlagen, dessen Jubiläumsjahr 2020 ist: Ludwig van Beethoven (1770-1827). Das Genie, dessen 250. Geburtstag man eigentlich mit vielen Veranstaltungen und Konzerten feiern wollte, liebte die „geistigen Getränke“ wegen ihrer erquickenden, stärkenden und tröstenden Wirkung, beklagte aber auch, dass viele Weine verfälscht würden. Weil er die süßen Weine bevorzugte, waren diese oft entsäuert mit einem Rezept, das seit der Antike bekannt ist. Schon die Römer verwendeten dazu Bleiverbindungen. Auch in späteren Jahrhunderten setzten Weinhändler dem Rebensaft metallisches Blei, Bleioxid, Bleicarbonat und Bleiacetat zu, um die Säure abzustumpfen und den Wein süßer, klarer und farbintensiver zu machen. Seit dem 26. Lebensjahr quälte Beethoven eine zunehmende Schwerhörigkeit. Zu den auslösenden Faktoren gehörte die chronische Bleiaufnahme, was durch einen Obduktionsbefund bestätigt wird. Amerikanische Chemiker wiesen das Schwermetall in Beethovens Haar in 40fach erhöhter Konzentration nach.

Als Beethoven unter dem unbewussten Bleikonsum litt, hatte andernorts Samuel Hahnemann bereits besagtes Mittel entwickelt, um solchen Vergiftungen aus dem Weg zu gehen. Bis dato (seit 1707) bestand die „Württembergische Weinprobe“, die allerdings wenig spezifisch war und neben Blei auch Eisenspuren erfasste. Hahnemann fand um 1788 ein zuverlässigeres Nachweisverfahren mit saurem Schwefelwasserstoffwasser, im damaligen Fachjargon „angesäuertes, mit Schwefelleberluft gesättigtes Wasser“. In allen Apotheken war der Hahnemann'sche Liquor für etwa vier Groschen erhältlich und bald wurde diese Weinprobe amtlich vorgeschrieben. 1794 stellte der Apotheker eine vereinfachte Variante als „Liquor probatorius fortior“ vor, der mit Bleiacetat zu einer dunklen Lösung reagiert.