Kino in Köthen

Das Bild zeigt die CT-Lichtspiele. In den Schautafeln ist zu erkennen, dass der Revuefilm „Geh´n wir bummeln!“ lief und dieser hatte am 1. August 1937 Premiere, so dass sich die Aufnahme gut datieren lässt. Im Original heißt er übrigens „On the Avenue“ und der gleichgeschalteten Presse wurde streng verboten zu erwähnen, dass Irving Berlin, Komponist der Filmmusik, Jude war.

Kommt man auf Köthener Kinogeschichte zu sprechen, fallen meist drei Namen: „Erich-Frantz-Lichtspiele“ bzw. „Kammerlichtspiele“, die „CT-Lichtspiele“ und das „Capitol“. Dabei gab es bereits 1908 in der Schalaunischen Straße ein erstes Kino, das sich alsbald als zu klein erwies. Betreiber Hüttermann erbaute deshalb 1909 in der Bärteichpromenade das Gebäude der späteren Kammerlichtspiele. In den 20er Jahren wechselten die Betreiber häufig, das Kino selbst konnte mit bester Technik aufwarten, die angegebenen Platzkapazitäten schwanken zwischen 600 und 800 Plätzen. Die „CT-Lichtspiele“ gab es seit 1917, sie nahmen einen Teil des damaligen Hotels „Zur Weintraube“ ein. Das „Capitol“ folgte 1930, Begründer war Willy Straube, der drei Jahre zuvor den Umbau seines Gasthauses „Neustädter Hof“ beantragt hatte. Hier werden bis zu 570 Plätze angegeben.

Nach dem Krieg wurden 1948 alle drei Kinos zum kommunalen Wirtschaftsbetrieb „Vereinigte Lichtspieltheater Stadt Köthen“ zusammengeschlossen. 1961 wurde das „Capitol“ wegen sinkender Zuschauerzahlen geschlossen. Im Durchgang vom Neustädter Platz aus sind heute noch die alten Schaukästen zu sehen. Die „CT-Lichtspiele“ waren dann 1967 Geschichte. Zunächst wurde diskutiert, was mit den Räumlichkeiten passieren könnte, kurze Zeit nach der Schließung fand eine Spielwarenmesse darin statt. Aber schon 1968 öffnete die Kaufhalle „Zentrum“ ihre Türen an besagter Stelle. Bleiben die „Kammerlichtspiele“. Diese wurden am 24. September 1962 in „Erich-Franz-Lichtspiele“ umbenannt, der renommierte Schauspieler hatte seine Karriere in Köthen am Theater begonnen. 1979 wurde die äußerst populäre Kinobar eingerichtet. Im Mai 1991 übernahm die Ufa das Haus von der Treuhand und gab am 30. April 1998 die Schließung bekannt. Versuche durch Lutz Becker, Geschäftsführer mehrerer Kinos, den Betrieb aufrechtzuerhalten, scheiterten. Im gleichen Jahr eröffnete dann der „Cine-Circus“ in der Weintraubenstraße. Das alte Kino selbst wurde 2006 zum „Rockster 73“.