Neue Sonderausstellung über den Schlosspark

„Schlosspark Köthen – Lebensraum und Gartentraum“ ist der Titel der neuen Sonderausstellung, die seit 30. Juni im Schloss Köthen zu sehen ist. Bis Ende November haben Besucher Gelegenheit, sich im Schloss über den Schlosspark und dessen viele Facetten zu informieren.

Bei dieser Sonderausstellung wirkten alle Museen des Schloss Köthens mit. Die Mitarbeiter vom Historischen Museum, der Prähistorischen Sammlung und des Naumann-Museums lieferten aus ihren Fachgebieten Informationen rund um den Schlosspark, aus diesen Puzzleteilen entwickelte sich ein spannender und interessanter Blick auf die Geschichte des Areals, das das Köthener Schloss umgibt.

So belegen Unterlagen im Landesarchiv Sachsen-Anhalt in Dessau, dass im Jahr 1607 17 Apfel- und 24 Birnensorten im Köthener Schlosspark zu finden waren. Fürst Ludwig von Anhalt-Köthen (1579-1650) hatte den Park nicht nur wesentlich mitgestaltet, er war ihm so ans Herz gewachsen, dass er in der Schrift „Allerlei Gartensachen“ der Nachwelt mitteilte, wie mit seinem Garten umzugehen sei. Seine Nachfolger zu Zeiten des Barock legten 100 Jahre später den Schwerpunkt der Parkgestaltung auf exotische Gehölze, die Listen erwähnen eine vielfältige Pflanzenwelt: von Limetten über Granatapfel bis hin zu Pampelmusen, zur kalten Zeit des Jahres geschützt von prächtigen Orangerien. Deren größte wurde 1812 aufgelöst und abgerissen.

Auf rund 200 Quadratmetern umfasst die neue Sonderausstellung mit 58 Exponaten im Schloss Köthen drei Hauptbereiche: frühgeschichtlicher Zeitraum bis zur Etablierung der Herrschaft der Askanier und der Errichtung der ersten Schlossgebäude, die Erbauung des Köthener Schlosses bis ca. 1850 und der damit einhergehende Nutzungswandel des Parks sowie der heutige Zustand der Anlage.

Mit 25 Vogel-Präparaten aus dem Naumann-Museum, sieben archäologischen Funden, einem historischen Herbarium und alten Karten und Darstellungen sowie Urkunden, Plänen und Zeichnungen zum Schlosspark - ergänzt um aktuelle Fotoimpressionen - ist die neue Schau, gestaltet von Marie Gloger (Studio Neue Museen), auch ein sinnliches Erlebnis für die Besucher. Älteste Stücke in der Schau sind eine bandkeramische Randscherbe mit einem Getreidekornabdruck aus Köthen und das Bruchstück eines Reibsteins ebenfalls aus Köthen – beide Exemplare sind rund 7 500 Jahre alt. Ein Blickfang und Höhepunkt der Schau dürfte die Installation auf einer Stellwand sein: Eine Fotografie des Schlossparks wurde dafür wandfüllend vergrößert und davor sind Präparate jener Vögel gesetzt, die im Schlosspark vorkommen.

Die Sonderausstellung würdigt zugleich den 20. Geburtstag der Landesinitiative „Gartenträume“. Der Schlosspark Köthen ist einer von 50 historischen Parks und Gärten dieses Netzwerkes.

Da die derzeit geltenden Abstandsregelungen eine Ausstellungseröffnung im klassischen Sinne nicht zulassen, hat Museums-Mitarbeiter Christian Ratzel gemeinsam mit seinen Kollegen einen Vernissage-Film produziert, der auf dem YouTube-Kanal "Schloss Köthen" läuft. Er bietet neben Grußworten auch Interviews mit den Ausstellungsmachern, poetische Kamerafahrten und musikalische Zwischenspiele der Musikschule „Johann Sebastian Bach“. Zu sehen ist der Film auf dem YouTube-Kanal Schloss Köthen. (30. Juni 2020)