Agnuskirche

Die Agnuskirche in der Köthener Stiftstraße wurde auf diesem Foto wohl in den 30er Jahren aus einem eher selten gewählten Winkel fotografiert. Zu sehen ist ein Teil der Rückseite aus der Perspektive der Springstraße. Reich und spannend ist die Geschichte des in den Jahren 1694 bis 1699 errichteten Gotteshauses. Die Heirat des reformierten Fürsten Emanuel Lebrecht von Anhalt-Köthen (1671-1704) setzte den Startschuss. Schon als Jugendlicher hatte er sein Herz an Gisela Agnes von Rath (1669-1740) verloren, politisch gesehen eine denkbar schlechte Wahl, war doch die in Wülknitz geborene Tochter eines Rittergutsbesitzers und Lutheranerin weder von hohem Adel, noch hatte sie die richtige Konfession. Trotz aller Widerstände wurde geheiratet und die Kirche quasi als „Gnadenkirche“ errichtet. Dies freute die Lutheraner in Köthen, die sich nun endlich offiziell versammeln durften. Die nach dem Lamm Gottes, dem agnus dei, benannte Kirche wird als Reminiszenz an Gisela Agnes, die sich nach dem frühen Tod ihres Mannes als resolute und tatkräftige Landesmutter erwies und ihrem Sohn Leopold später das Leben schwermachen sollte, bis heute gern „Agneskirche“ genannt. Ein höchst willkommener Effekt der in den letzten Jahrzehnten mit viel Arbeit und Fleiß sanierten Kirche: ohne sie hätte der Lutheraner Johann Sebastian Bach den Posten als Hofkapellmeister in Köthen sicher nicht angenommen.