Aus dem Depot: Austernschalen

Details der kulinarischen Genüsse am Fürstenhof von Anhalt-Köthen vor knapp 400 Jahren: Den Anfang macht eine „fürstliche Speisefolge“, die sich erhalten hat. Sie listet auf, was am 18. April 1624 den Weg von der Küche im Steinernen Haus des Schlosses (heute u.a. Standort des Stadtarchivs) auf die andere Seite des Hofes in den Speiseraum des Ludwigsbaues fand. Die Tafel wurde reich gedeckt, zum Mittag gab es zehn verschiedene Gerichte. Rindfleisch mit grüner Petersilienfülle war ebenso dabei wie Auerhahnbraten, gerösteter Lachs und in Butter gekochter Wels sowie grünes Krautgemüse und eine Mandeltorte. Auch der Gesindetisch aß am Köthener Hof an diesem Tag gut, fünf Gerichte vom Rinderbraten über Fisch, gekochten Speck bis hin zu Rindfleischsuppe und Gemüse galt es zu genießen.

Ein Posten der fürstlichen Tafel sticht hervor: geröstete Austern. Damals wie heute eine noble Delikatesse, die vor allem der leichten Verderblichkeit wegen mit Vorsicht zu behandeln ist. Konnte es gelingen, diese Köstlichkeiten von der Meeresküste mit den damaligen Transportmöglichkeiten bis nach Köthen zu bringen? In feuchte Tücher geschlagen ist es möglich, Austern lebend bis zu zehn Tage bei kühlen Temperaturen lzu transportieren. Für die Tafel vom April 1624 hat man sich wohl eher dazu entschlossen, die Austern eisgekühlt zu transportieren. Damit waren Transporte von bis zu drei Monaten möglich, nur musste man die Waren durchgaren. Also beispielsweise wie in Köthen rösten.

Im Bild zu sehen ist ein eindrückliches Indiz, dass tatsächlich Austern serviert wurden. An verschiedenen Stellen um das Schloss herum sind in den letzten Jahrzehnten Austernschalen gefunden worden, so etwa im Schlossgraben und im Schlossgarten. So wie die beiden hier fotografierten Schalen. Sie landeten einst auf einem Abfallhaufen und überdauerten die Zeit, bis sie zu ob ihrer Aussagekraft geschätzten Museumsstücken wurden.