Ausstellung über die Oranienbaumer Heide

Mit der Ausstellung „Offenlandslebensräume“ stellt die Hochschule Anhalt seit 15. Oktober im Veranstaltungszentrum Köthen eines ihrer Projekte vor, mit dem sich vor allem die Studiengänge am Standort Bernburg beschäftigen. Offenlandlebensräume steht für eine besondere und in der Region einzigartige Landschaft: die Oranienbaumer Heide. Der ehemalige Truppenübungsplatz östlich von Dessau-Roßlau ist bereits seit vielen Jahren Arbeits- und Forschungsort für Studierende innerhalb des Projektes „www.offenlandinfo.de“. Dieses setzt sich in einer Vielzahl von praxisbezogenen Forschungsprojekten mit unterschiedlichsten Themen zur Nutzung, Pflege und Renaturierung von Offenlandlebensräumen auseinander. Wie sich dieser Naturraum entwickelt hat, welche Arten dort vorkommen und wie seit Projektbeginn vor allem die Vogelwelt von den Renaturierungsmaßnahmen profitiert, erzählt auf mehreren großformatigen Schautafeln in den Foyers des Veranstaltungszentrums die von den Studenten Janet Klawitter und Julian Ogrodnik konzipierte und kuratierte Schau. Das Besondere dabei: Die Studierenden stellen den Texten und aktuellen Fotos aus der Heide die entsprechenden Aquarelle von Johann Friedrich Naumann zur Seite und ergänzen diese Komposition um Zitate des Ornithologen und Gründers des gleichnamigen Museums im Schloss Köthen.

Durch die langjährige militärische Nutzung des Areals zwischen Oranienbaum und der Autobahn A9 konnten sich, wie auch auf vielen anderen ehemaligen oder aktuell genutzten Truppenübungsplätzen, wertvolle Lebensräume mit Vorkommen seltener und gefährdeter Tier- und Pflanzenarten des Offen- und Halboffenlandes entwickeln und erhalten. Heute zählt die Oranienbaumer Heide zu den größten zusammenhängenden Heide-Magerrasen-Ökosystemen sowie zu den biotop- und artenreichsten Gebieten in Sachsen-Anhalt. Zudem gehört die Oranienbaumer Heide zum „Nationalen Naturerbe“ für das die DBU Naturerbe GmbH, eine Tochter der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), die Verantwortung trägt und ist Teil des UNESCO-Biosphärenreservates „Mittelelbe“.

Zu Beginn des Projektes im Jahr 2008 wiesen alle Lebensraumtypen vorwiegend einen schlechten Erhaltungszustand auf und waren u.a. durch das Fehlen offener Bodenstellen, eine starke Überalterung des Heidekrautes sowie durch eine zunehmende Verbuschung und Vergrasung gekennzeichnet. Dies hat sich geändert, seitdem die Hochschule die Managementmaßnahmen konzipierte und diese wissenschaftlich begleitet. Zum Erhalt der Biodiversität wurde durch die Hochschule Anhalt und die Primigenius gGmbH ab 2008 eine Ganzjahresweide mit robusten Rinder- und Pferderassen eingerichtet und bis 2013 erweitert. Auf nunmehr 800 Hektar Fläche weiden inzwischen 150 bis 180 Heckrinder und Koniks. Parallel wurden Maßnahmen zur Verjüngung überalterter Heiden in Form einer einmaligen Heidemahd und eines einmaligen Mulchens von Heidekraut-Beständen auf bisher insgesamt 80 Hektar umgesetzt. Die Weidelandschaft zählt zu den größten extensiven Ganzjahresweiden Deutschlands und wurde 2017 zur Weidelandschaft des Jahres gekürt. (12. Oktober)