Bach-Experte schenkt dem Schloss Köthen eine Druckgrafik

Der Musikwissenschaftler Prof. Klaus Hofmann hat das Historische Museum und die Bach-Gedenkstätte im Schloss Köthen mit der Schenkung einer Druckgrafik überrascht, die Fürst Leopold von Anhalt-Köthen (1694-1728) zeigt. Der 82-jährige Göttinger hat seit vielen Jahren Verbindungen nach Mitteldeutschland und durch seine Forschung zu Johann Sebastian Bach einen engen Bezug zu Köthen. Die Druckgrafik, die der Musikwissenschaftler dem Schloss Köthen für die dortige Sammlung schenkte, befindet sich seit mehr als 40 Jahren im Besitz Hofmanns. „Ich habe sie um 1980 bei einem Antiquar im Katalog entdeckt, gekauft und eigentlich nichts Besonderes damit vorgehabt. Sie sollte nur nicht irgendwo verschwinden“, so Hofmann. „Nun, da ich im Alter meine Dinge sortiere, finde ich, dass das Bild in Köthen am besten aufgehoben ist. Da gehört es hin.“

Der 1939 in Würzburg geborene Klaus Hofmann arbeitete nach seiner Tätigkeit als Lektor beim Hänssler-Verlag Neuhausen-Stuttgart (1968-1978) von 1978 bis 2006 am Johann-Sebastian-Bach-Institut Göttingen und wurde 1981 dessen stellvertretender Direktor und hauptamtlicher Leiter. Von 2004 bis 2006 war er leitender Direktor dieses Instituts. Eine Lehrtätigkeit an der Georg-August-Universität Göttingen übte er zwischen 1990 und 2004 aus. Über lange Jahre hinweg war Klaus Hofmann Mitglied zunächst des Direktoriums und später des Verwaltungsrats der Neuen Bachgesellschaft sowie des Herausgebergremiums der Neuen Bach-Ausgabe. Klaus Hofmann zählt zu den Gründungsmitgliedern der 1991 ins Leben gerufenen Internationalen Telemann-Gesellschaft e.V.; der Georg-Philipp-Telemann-Preis der Landeshauptstadt Magdeburg ging 2019 an ihn als Würdigung für Hofmanns umfangreiches und besonderes Engagement im Hinblick auf die wissenschaftliche Erschließung und Aufarbeitung der Werke von Telemann. Köthen besuchte Klaus Hofmann zuletzt 2002 bei einem wissenschaftlichen Symposium. „Natürlich bin ich als Bach-Forscher auch immer wieder mit der Köthener Zeit des Komponisten in Berührung gekommen“, so Hofmann.

Laut dem Musikwissenschaftler geht die Grafik mit der Abbildung des Fürsten auf ein damals oft reproduziertes Ölgemälde zurück, das zu den Exponaten im Schloss Köthen gehört. Das lebensgroße Porträt des Köthener Fürsten und Förderers Johann Sebastian Bachs wurde vom Museum im Jahr 1930 erworben. Es war vermutlich als Geschenk der Köthener an die verwandte Dynastie Sachsen-Weimar gegeben worden. Von Weimar aus zum Verkauf angeboten, konnte das Museum das Bild durch die großzügige Spende eines musikverständigen Kötheners in den einstigen Wirkungsort Bachs zurückholen und auf Dauer in der Bach-Gedenkstätte des Köthener Schlosses präsentieren. Gemälde wie auch Grafik zeigen den Köthener Musenfürsten in Herrscherpose mit Brustharnisch über brokat- und spitzenbesetztem Samtrock mit Seidenstrümpfen und barocken Schnallenschuhen. Ein Mohr als Page hält den mit Hermelinschwänzen besetzten roten Samt-Umhang.

Der am 29. November 1694 geborene Leopold war das zweite Kind von Fürst Emanuel Leberecht und Fürstin Gisela Agnes. Der frühe Tod seines älteren Bruders August Leberecht machte ihn zum Erbprinzen und der Tod des Vaters 1704 zum Fürsten des kleinen Landes Anhalt-Köthen. Leopold erhielt eine umfassende Bildung, zeigte Talent für das Ballett und begeisterte sich für Musik. Johann Sebastian Bach, den der Fürst 1717 als Hofkapellmeister an seinen Hof holte, konnte sich auf eine exzellente Hofkapelle stützen und hatte einen Dienstherrn, der selbst auf Violine und Gambe spielte. Mit 33 Jahren starb der Fürst und wurde in einem schlichten Sarkophag in der Neuen Augustäischen Gruft der Jakobskirche beigesetzt. Das letzte Geleit gab ihm Johann Sebastian Bach, der die eigens für den Anlass geschriebene Trauermusik „Klagt Kinder, klagt es aller Welt“ aufführte. (28. Juni)