Bahnhof

Der Blick geht in den 1960er Jahren über die Straße zum Bahnhof. Das hier zu sehende Gebäude ist nur ein Teil eines ganzen Ensembles an Bahnhofsgebäuden. Jahre, bevor zwischen Nürnberg und Fürth 1835 die erste deutsche Eisenbahnlinie eröffnet wurde, waren bereits konkrete Pläne für Eisenbahnlinien in Mitteldeutschland in Arbeit. Das Engagement des letzten Köthener Herzogs Heinrich, die Routen über Köthen zu führen, sollte hier Früchte tragen. 1840 ging der Bahnhof in Betrieb, man konnte in drei verschiedene Richtungen von Köthen aus reisen, der erste Eisenbahnknotenpunkt des Deutschen Bundes war damit geboren.

Viel ließe sich über die Bahngeschichte schreiben, darunter fallen Anekdoten wie jene, dass es im 1870/71 erbauten Magdeburg-Leipziger-Bahnhof (links neben dem heutigen Hauptgebäude) einen für den Herzog vorbehaltenen Raum gab, sollte dieser tatsächlich mal in Köthen Aufenthalt haben. War dies der Fall, musste der Oberbürgermeister unabhängig von der Dauer des Besuchs zum Bahnhof eilen und der Durchlaucht aufwarten. Die „Cöthensche Zeitung“ vermeldete nicht nur solche Anlässe, sondern auch jede Durchfahrt sowohl von Familienmitgliedern der Herzoglichen Familie, als auch von sonstigen hochadeligen Zugreisenden.

Ab 1911 begannen jene Arbeiten, die das Aussehen der Bahnhofsanlagen bis heute bestimmen. Die ursprünglich auf der Straße vor dem heutigen Bahnhof verlaufenden Gleise wurden dahinter auf einem Bahndamm neu angelegt. Gleichzeitig schuf man zwei Unterführungen, senkte dazu die Straße um eineinhalb Meter ab. Das gestaltete sich besonders am Hotel „Kaiserhof“ (dem heutigen Hotel „Stadt Köthen“) schwierig. Ab da gab es keine Wartezeiten an Schranken mehr. Gleichzeitig baute man das im Bild zu sehende Gebäude. 1916 fuhr der letzte Zug von den alten Bahnhöfen ab. Ein Jahr später ruhten die Arbeiten kriegsbedingt. Erst nach dem Kriegsende sahen die beginnenden 20er Jahre die Fertigstellung.