Dachsanierung führt zur Schließung des Naumann-Museums

Ab dem 12. Oktober schließt das Naumann-Museum im Schloss Köthen für längere Zeit. Grund dafür sind Sanierungsarbeiten, die die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt als Gebäudeeigentümer vornehmen wird und für die bis zum 1. Dezember Baufreiheit herrschen muss. Die mehrjährige Sanierung wird ermöglicht durch Fördermittel der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM). Vom Bund gab es für den ersten von insgesamt zwei Bauabschnitten 248.000 Euro aus dem Programm für „Nationale wichtige Kulturdenkmale“. „Die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt beteiligt sich mit einem Eigenanteil in gleicher Höhe“, erklärte Ralf Lindemann, Baudirektor der Stiftung, auf einem Pressegespräch. Die zur Verfügung stehenden Mittel – sie belaufen sich inklusive eines zweiten Bauabschnittes auf rund 950.000 Euro (469.000 Euro Bundesmittel) - werde die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt für die konstruktive Sicherung der Dachkonstruktion des Ferdinandsbaus und für die Sanierung von tragenden Wänden verwenden. Nach bisherigen Planungen ist mit dem Abschluss der Arbeiten Ende 2022 zu rechnen. Noch in diesem Jahr wird mit Bauvoruntersuchungen begonnen.

Heinfried Stuve, Geschäftsführer des Ateliers für Architektur und Denkmalpflege Köthen, berichtete, dass es bereits in den 1990er Jahren eine Neueindeckung des Daches am Ferdinandsbau gegeben habe. Die entscheidenden Arbeiten an der Dachkonstruktion seien damals allerdings nicht ausgeführt worden. Wie wichtig diese sind, würde sich jetzt an der schnellen Zunahme von Rissen in den Gewölbedecken und im Mauerwerk zeigen. Für den Architekten, dessen Büro maßgeblich alle Arbeiten im und am Schloss Köthen betreut, ist dies nicht verwunderlich. „Bandhauer war immer gezwungen, günstig zu bauen, die Dinge zu vereinfachen und zu verschlichten“, so Stuve über den Baumeister Gottfried Bandhauer, aus dessen Zeit sich mit der einfachen Fensterverglasung sowie den Holztüren und -böden noch reichlich Originalsubstanz aus der Entstehungsjahren von 1823 bis 1828 im Ferdinandsbau befindet.

Da das Naumann-Museum im Dachgeschoss dieses Gebäudekomplexes auf dem Köthener Schlossgelände untergebracht ist, muss die gesamte Sammlung und Ausstellung für den Sanierungszeitraum ausgelagert werden. Ab dem 12. Oktober beginnt die mehrwöchige Beräumung, den eigentlichen Umzug wird eine auf Kunsttransporte spezialisierte Spedition übernehmen, denn vor allem der Transport der historischen Vitrinen, die noch von Museumsgründer Johann Friedrich Naumann gestaltet und mit einmaligen Vogelpräparaten bestückt worden sind, ist eine logistische Herausforderung. Der Landkreis Anhalt-Bitterfeld als Eigentümer der Sammlung des Naumann-Museums ist aktuell intensiv darum bemüht, die Köthen Kultur und Marketing GmbH bei der Suche nach einem Quartier für die Einlagerung der Exponate zu unterstützen. In dieser Woche gibt es Besichtigungen von möglichen Objekten, die zu den Liegenschaften des Landkreises gehören.

Vogelfreunde, Ornithologen und all jene, die noch einmal einen Blick auf die Sammlung werfen möchten, haben somit nur noch bis zum 11. Oktober Gelegenheit dazu. Mit Sonderführungen und einer Lesung wird sich das Naumann-Museum in der letzten Woche seiner Öffnung vom 5. bis 11. Oktober von den Besuchern verabschieden, bevor es ans Packen der Umzugskartons geht. Sehr exklusive Sonderführungen mit jeweils nur acht Teilnehmern, die Museumsleiter Bernhard Just durch sein Reich führt, sind am 6., 8., 10. und 11. Oktober, jeweils 10 und 16 Uhr, vorgesehen. Mit dem Autor und Naturschützer Ernst Paul Dörfler ist am 6. Oktober um 18 Uhr im Veranstaltungszentrum ein exzellenter Kenner der hiesigen Vogelwelt zu Gast. Er liest aus seinem jüngsten Buch „Nestwärme – Was wir von Vögeln lernen können“.

Um das Naumann-Museum auch während der Zeit seiner Schließung in der Öffentlichkeit präsent zu halten, plant das Schloss Köthen Veranstaltungsreihen und Ausstellungen für die kommenden zwei Jahre. So ist eine ornithologische Lesereihe vorgesehen, für die Fördermittel im Rahmen des Programms „Neustart Kultur“ beantragt worden sind, deren Bewilligung allerdings noch aussteht. Zu sehen sind bereits seit einigen Tagen die faszinierenden Aquarelle von Johann Friedrich Naumann. Aus der Fülle seiner derartigen Arbeiten im Bestand des Naumann-Museums wurden zwölf Blätter ausgewählt, die auf großformatigen Tafeln nun im Anna-Magdalena-Bach-Saal im Veranstaltungszentrum zu sehen sind. (6. Oktober)

Über das Programm der Abschiedswoche wird in der Tagespresse und unter www.schlosskoethen.de informiert. Karten für die Führungen und Veranstaltungen sind in der Touristinformation im Schloss, Telefon 03496 700 99 260, erhältlich.