Dreharbeiten für Fernsehdokumentation zu den „Brandenburgischen Konzerten“

„Sechs Konzerte für die Ewigkeit“ ist der Titel einer Fernsehdokumentation für die Sender ARTE und den NDR, die im kommenden Frühjahr ausgestrahlt werden soll. Weil es darin um Johann Sebastian Bachs „Brandenburgische Konzerte“ geht, die der Komponist vor 300 Jahren – im März 1721 – in Köthen zusammenstellte und an den Markgrafen von Brandenburg-Schwedt schickte, war Köthen natürlich zentraler Ort für Dreharbeiten.

Ein kleines Team im Auftrag der Leipziger Produktionsfirma Accentus Music war Mitte November an mehreren Orten in Köthen unterwegs und begleitete die Flötistin Ana de la Vega auf ihrer Spurensuche in der Bachstadt. Vor allem das Schloss und der Spiegelsaal waren die Kulisse für Interviews und Gespräche über Johann Sebastian Bachs Zeit in Köthen und die Entstehung der „Brandenburgischen Konzerte“. Als kompetenter Gesprächspartner stand Museumsmitarbeiter und Gästeführer Christian Ratzel von der Köthen Kultur und Marketing GmbH vor der Kamera. Das Bach-Denkmal, die Fürstengruft in der Jakobskirche und der Schlosspark waren weitere Drehorte für Regisseur Andreas Morell und Produzent Günter Atteln.

Ana de la Vega, in Australien geboren und aufgewachsen und in Hamburg lebend, spielte mit acht Jahren erstmals auf einer geliehenen Flöte und nahm danach Privatunterricht. Nach ihrem Flötenstudium in Sidney studierte sie am Conservatoire National Supérieur de Paris. Die Flötistin steht nicht zum ersten Mal für eine Kooperation von ARTE und NDR vor der Kamera. Die 45-minütige Dokumentation „Ana de la Vega und die Flöte - Mozarts Flötenkonzert in G-Dur“ ist aktuell bis Ende April in der ARTE-Mediathek zu sehen und erzählt von der erstaunlichen Karriere der Flötistin bis an die Spitze der Flötenkunst.

Dass sie dort ihren festen Platz hat, stellte Ana de la Vega beim kurzen Spiel auf ihrem Instrument im Köthener Spiegelsaal unter Beweis, dessen Aura die Musikerin sichtlich bewegte. Natürlich erklang Musik von Bach aus dessen Köthener Zeit. Jene fünfeinhalb Jahre in Köthen von 1717 bis 1723 als Kapellmeister und Kammermusikdirektor am Hofe des musikliebenden jungen Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen haben sowohl im Leben und Werk des Komponisten als auch in der kleinen anhaltischen Stadt Köthen ihre Spuren hinterlassen. Bereits im Jahr 1719 schickte der Fürst seinen Hofkapellmeister nach Berlin, um dort ein neues Cembalo aus der Werkstatt des Hofinstrumentenmachers Michael Mietke abzuholen. Bei dieser Gelegenheit musizierte Bach vor dem Markgrafen Christian Ludwig von Brandenburg, für den er im Jahr 1721 einzelne Konzertsätze – vermutlich aus seiner Weimarer und Köthener Zeit – zu sechs Konzerten mit unterschiedlicher Instrumentalbesetzung zusammenstellte. Diese von Bach mit Six Concerts Avec plusieurs Instruments („Sechs Konzerte mit mehreren Instrumenten“) überschriebenen Stücke gingen später als Brandenburgische Konzerte (BWV 1046–1051), wie sie der Musikwissenschaftler Philipp Spitta in seiner Bach-Biografie erst im 19. Jahrhundert nannte, in die Musikgeschichte ein. Vermutlich versprach sich Bach, der damals bereits Köthen verlassen wollte, durch die Widmung eine Anstellung beim Markgrafen.

Nicht nur ARTE und der NDR blicken mit ihrer Dokumentation, die im kommenden Frühjahr ausgestrahlt werden soll, übrigens auf das bedeutende musikalische Jubiläum.  Auch der 13. Köthener Herbst Anfang September 2021, veranstaltet vom Freundes- und Förderkreis Bach-Gedenkstätte im Schloss Köthen e.V., titelt sein Programm mit „Kronjuwelen der Musik - 300 Jahre Brandenburgische Konzerte“. Das Ensemble Le Concert Lorrain (Frankreich) unter der Leitung von Stephan Schultz wird dann unter anderem im Abschlusskonzert in der Jakobskirche die Brandenburgischen Konzerte Nr. 1 und 4 spielen. (19. November)