Friedenspark

Wer ab und zu durch den Köthener Friedenspark geht, dem dürfte die Szenerie bekannt vorkommen: das Grabdenkmal des langjährigen Oberbürgermeisters Ferdinand Schulz (1860-1911). Der gebürtige Westfale war studierter Rechts- und Staatswissenschaftler und hatte bereits viele Erfahrungen unter anderem in Dessau gesammelt, bevor er aus zwölf Bewerbern 1893 vom Gemeinderat als Oberbürgermeister Köthens gewählt wurde. Schulz wurde ein wesentlicher Motor in der damals geradezu stürmischen Entwicklung der Stadt, er begleitete den Neubau der Jakobstürme, die Einrichtung des Polytechnikums (heutige Hochschule Anhalt) und den Neubau des Rathauses. Besonderen Verdienst erwarb er sich durch die Weiterentwicklung der Infrastruktur. Neben dem Ausbau der Straßen ist es nicht zuletzt ihm zu verdanken, dass Köthen eine der modernsten Kläranlagen überhaupt bekam.

1911 war der dreifache Familienvater einem Schlaganfall erlegen, der Andrang zu den Trauerfeierlichkeiten war enorm, Schulz als OB sehr beliebt. Schon 1912 benannte man die von der damaligen Ringstraße (heute Lohmannstraße) abzweigende neue Straße nach ihm und errichtete das besagte Grabdenkmal auf dem damaligen Alten Friedhof. Als sich die Umwandlung des zum Jahresende 1938 geschlossenen Friedhofes 1952/53 abzeichnete, schrieb der inzwischen in Freiburg im Breisgau lebende Sohn von Ferdinand Schulz, der übrigens auch Ferdinand Schulz hieß, einen Brief an die Köthener Friedhofsverwaltung. Darin drückte er seine Sorge um das Grabdenkmal seines Vaters aus, das ja eventuell dem Park zum Opfer fallen könnte. Die sehr höfliche Antwort beschwichtigte, der Sohn des ehemaligen Oberbürgermeisters müsse sich keine Sorgen machen, da man um die Verdienste des Vaters wisse. Man würde sich freuen, wenn der Sohn sich dereinst im wiedervereinigten Deutschland von der Schönheit der sozialistischen Parkgestaltung überzeugen werde.

Im Hintergrund ist ein kleiner Teil des heutigen Kinderheims zu sehen. Dieses Haus hat auch für Ferdinand Schulz eine wichtige Bedeutung. 1902 fertiggestellt, war es ursprünglich für den Superintendenten, der auch die nebenan liegende Diakonie verwaltete, vorgesehen. Allerdings hatte dieser dankend abgelehnt und man überließ das Haus der Stadt und Oberbürgermeister Ferdinand Schulz zog dort ein. Sogar ein Trauzimmer gab es in dem Gebäude. Auch weitere Oberbürgermeister wohnten später dort, so etwa Dr. Heymann und Dr. Damerow. Später wurde es dann zum Kinderheim.