Gefängnis am Schloss

„Abscheulich“, „unförmig“, ein „Schandfleck“ oder eine „Geschmacklosigkeit“ – das sind Attribute und Beschreibungen zu diesem alten Schmähmann-Foto, die sich in Büchern und Texten - meist aus den 1930er Jahren - finden lassen. Zu sehen ist das Amtsgerichtsgefängnis. Um die Empörung zu verstehen, die schon zu Bauzeiten in Köthen herrschte, muss man vor allem Fotografien betrachten, die das Gefängnis im Ensemble des Schlosses als wirklichen Fremdkörper zeigten. Errichtet wurde es auf Geheiß der Herzoglichen Landesregierung zu Anhalt-Dessau ab 1878, 31 Jahre nach dem Tod des letzten Köthener Herzogs Heinrich. Gleichzeitig zum Gefängnisbau zog das Ludwigsgymnasium in das Schloss. Der Gefängnisdirektor hatte seine Dienstwohnung im Gefängnis. Probleme gab es wie bei den anderen Schlossbauten auch mit dem feuchten Untergrund, nicht weniger als 32 Brunnenschächte wurden zum Sammeln des Wassers angelegt. 1902 gelang dem Insassen Alois B. ein erfolgreicher Ausbruch. Die Untersuchung dazu ergab u.a., dass lediglich zwei von 50 Türschlössern als tadellos befunden werden konnten. Neben der Nutzung als Amtsgerichtsgefängnis diente das Gebäude auch als Jugendarrest und Karzer. Rufe nach dem Abriss gab es spätestens seit den 1930er Jahren, allerdings existierten zu Zeiten der Wende auch Pläne zur Erweiterung. Sie wurden nicht in die Tat umgesetzt, im Gegenteil: 1992 verschwand das Gebäude.