Homöpathie: Auf Hahnemanns Spuren

Samuel Hahnemanns Studium der Medizin in Leipzig entsprach wohl nicht ganz den Vorstellungen des jungen Mannes. Hier lernt er zwar viel Theorie, aber eine praktische Ausbildung im eigentlichen Sinne existierte nicht. 1777 geht Hahnemann deshalb an das Spital der Barmherzigen Brüder in Wien. Sein dortiger Lehrer ist der berühmte Dr. Joseph Fryherr von Quarin, der Leibarzt der Kaiserin Maria Theresia. Bei Quarins Visiten lernt der junge Mann die praktische Heilkunde kennen, er darf seinen Lehrer bei Hausbesuchen begleiten. Quarin wird ihm dabei auch zum väterlichen Freund, über den Hahnemann später sagt: „Alles, was an mir Arzt genannt werden darf, verdanke ich Dr. Joseph Quarin.“

Weil sich der junge Student fast ausschließlich dem Studium widmet, bleibt ihm jedoch wenig Zeit für einen Nebenerwerb, so dass sein weniges Erspartes bald zur Neige geht. Wohl um die Nöte seines Schützlings wissend, macht ihn Quarin mit Baron von Brukenthal, dem Statthalter von Siebenbürgen bekannt. Bei diesem kann er die Bibliothek und Münzsammlung ordnen und zugleich als Hausarzt arbeiten. Hahnemann nimmt das Angebot an und geht für 21 Monate nach Hermannstadt, dem heutigen Sibiu in Rumänien. In der umfangreichen Bibliothek seines Dienstherrn studiert Hahnemann eifrig weiter. Aber er macht auch medizinische Erfahrungen, denn in den umliegenden sumpfigen Tiefebenen ist die Malaria, das Wechselfieber, überall verbreitet. Angeregt durch von Brukenthal wird er mit 22 Jahren Mitglied der Freimaurerloge „St. Andreas zu den drei Rosenblättern“, deren Idealen er bis zum Ende seines Lebens treu bleibt.

Über seine Zeit in Hermannstadt schrieb Samuel Hahnemann: „Herr Baron von Brukenthal hat mich unter ehrenhaften Bedingungen eingeladen, mit ihm nach Hermannstadt zu gehen, als Hausarzt und Aufseher seiner ansehnlichen Bibliothek. Hier hatte ich Gelegenheit, noch einige andere mir nöthige Sprachen zu lernen und einige Nebenwissenschaften mir zu eigen zu machen, die mir noch zu fehlen schienen. Seine unvergleichliche Sammlung antiker Münzen brachte ich, sowie den Büchervorrath in Ordnung und zu Papier, prakticirte sieben Vierteljahre in dieser volkreichen Stadt und schied dann, obwohl sehr ungern, von diesem biedern Volke, um in Erlangen den Doctor zu erwerben, welches ich nun aus eigenen Kräften thun konnte.“

Hermannstadt (Sibiu) gilt als Geburtsstätte der siebenbürgischen und auch der rumänischen Pharmazie, denn hier wurde 1494 die erste Apotheke des Landes eröffnet. Im Zentrum des einstigen kulturellen und politischen Zentrums der Siebenbürger Sachsen liegt, umgeben von restaurierten Renaissancehäusern und spätbarocken Palästen, die ehemalige Apotheke „Zum Schwarzen Bären“, in der seit 1972 die pharmaziehistorische Sammlung des Brukenthal-Museums untergebracht ist. Rund 6 600 Ausstellungsstücke zeugen von vier Jahrhunderten Apothekerkunst und Pharmazie in Siebenbürgen. Im Gedenken an Samuel Hahnemann präsentiert das Museum zudem eine große Sammlung homöopathischer Präparate.