Martinskirche

Die Serie zeigt drei Bilder der Martinskirche, zwei selten gezeigte vom Bau und der Einweihung dieses Gotteshauses und ein häufig zu findendes einer Postkarte der fertigen Kirche. Dem Verlag unterlief ein häufiger Fehler, der selbst in wissenschaftlichen Publikationen wie dem berühtem „Haetge/Harksen“ zu finden ist. Es ist St. Martinskirche zu lesen. Die Kirche wurde aber nicht nach dem heiligen Sankt Martin benannt, sondern nach Martin Luther. Somit verwundert es nicht, das auf der im Museumsarchiv befindlichen Postkarte ein früherer Besitzer das „St.“ pietätvoll durchgekreuzt hat. Übrigens gab es im alten Hohenköthen, einem im 15. Jahrhundert wüst gewordenen Ort, der etwa von der heutigen Baasdorfer Straße bis zur Mendelssohnstraße reichte, tatsächlich eine St. Martinskirche.

Als zum Ende des 19. Jahrhunderts Köthen regelrecht aus allen Nähten zu platzen drohte, entstand der Wunsch, für die vielen Einwohner, die sich in den neuen Vierteln entlang der Weintraubenstraße und der Ringstraße (heute Lohmannstraße) angesiedelt hatten, eine weitere evangelische Gemeinde zu schaffen. Im November 1907 wurde die Martinsgemeinde begründet und von Anfang an gab es den Plan, einen repräsentativen Kirchbau zu errichten. Als Stelle wählte man einen Platz neben dem höchsten Punkt im südlichen Köthen, dem Galgenberg. Letzterer hat seinen Namen übrigens nicht von ungefähr.

Gebaut wurde ab 1912, als Baumeister wählte man den 1872 geborenen Friedrich Gothe, der nicht nur Erster Stadtrat, sondern auch Architekt war. Kennzeichnend für seine Bauwerke war eine sehr moderne Vorgehensweise im Bauverfahren und der Konstruktion selbst. Ab 1919 sollte Gothe langjähriger Bürgermeister in Bernburg werden, bis er 1933 von der NSDAP aus dem Amt gedrängt wurde.

In dem das Stadtbild prägenden Bau der Martinskirche gab es neben dem ellipsenförmigen Kirchenraum selbst, der durch den Turm gleichsam abgeschnitten wird, in zwei Flügelbauten die Wohnung des Geistlichen, zwei Konfirmandenzimmer, die Wohnung des Kirchendieners und im Dachgeschoss einen Versammlungssaal.

Die festliche Einweihung erfolgte am 12. Dezember 1914. Die Übergabe des Schlüssels inszenierte man in drei Etappen über den Generalsuperintendenten Schubarth aus Zerbst an den Köthener Superintendeten Jänicke und schließlich an den Gemeindepfarrer Herrmann, der dann endlich die Türen öffnete.

Kurz darauf gab es schon die ersten Verluste in der Kirche selbst, die Glocken fielen bis auf eine ebenso der Einschmelzung zum Opfer wie die Prospektpfeifen der Orgel und die Kupferabdeckungen der kleinen Treppentürme und des Dachreiters. Seit 1934 war das Geläut dann wieder vollzählig. 1964 wurde umgebaut und eine gänzlich neue Farbfassung vorgenommen. Erhalten blieb bis heute die Fassade und Teile der originalen Verglasung.

1985 erfolgte die Eingliederung der Martinsgemeinde in die St. Jakobsgemeinde und die Kirche wurde im Sinne ihrer eigentlichen Nutzung aufgegeben. Danach kam sie in den Besitz der Stadt und schließlich über den zeitweisen Betrieb einiger Räume als Martinsklub in die Verwendung als Jugendklub und einige Jahre danach als Studentenklub. Heute präsentiert sich die Martinskirche nach einer behutsamen und gründlichen Restaurierung wieder im alten Glanz. Möglich machte dies eine Zusammenarbeit zwischen dem Jobcenter, der Bildungsgesellschaft BVIK und dem Architektenbüro Banisch.

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