Museen im Schloss Köthen öffnen ab 13. März

Nach mehr als viermonatiger Schließung freuen sich die Museen im Schloss Köthen und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ab dem 13. März wieder Besucher begrüßen zu dürfen. Aufgrund der 10. Eindämmungsverordnung des Landes Sachsen-Anhalt ist es Museen nun wieder möglich, unter Auflagen zu öffnen. Die Prähistorische Sammlung, das Historische Museum und die Bach-Gedenkstätte sowie die Erlebniswelt Deutsche Sprache können ab 13. März wieder täglich (außer montags) von 10 bis 16.30 Uhr (letzter Einlass) nach einer auch kurzfristigen telefonischen Anmeldung unter der Nummer 03496 700 99 260 besucht werden. Beim Kauf der Eintrittskarten werden die Kontaktdaten der Museumsgäste aufgenommen. Es gelten beim Museumsbesuch die gängigen Hygiene- und Abstandsregeln und das Tragen eines medizinischen Mund-Nase-Schutzes ist notwendig.

Erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich ist mit der Öffnung der Museen nach dem zweiten Lockdown damit auch die bereits im Dezember digital eröffnete Sonderausstellung zum Jubiläum von Johann Friedrich Naumanns „Naturgeschichte der Vögel Deutschlands“, die im Dezember 1820 erschienen ist. Anlässlich dieses 100-jährigen Jubiläums blicken die Museen im Schloss Köthen mit der Sonderausstellung auf die Entstehungsgeschichte dieser Publikation, die den Namensgeber des Naumann-Museums berühmt machte und dessen Veröffentlichung dazu beitrug, Johann Friedrich Naumann (1780-1857) als den Begründer der Vogelkunde in Mitteleuropa zu bezeichnen.

Johann Friedrich Naumanns „Naturgeschichte der Vögel Deutschlands“ fußt auf der Vorarbeit seines Vaters Johann Andreas (1744-1826). Die Naumannsche Vogelsammlung, die er initiierte und die sein Sohn Johann Friedrich fortsetzte, gilt als einzige bekannte Naturaliensammlung des Biedermeiers und gehört zur Sammlung des Naumann-Museums im Schloss Köthen.

Ab 1895 begann Vater Naumann mit seiner Arbeit an der Naturgeschichte der Land- und Wasservögel, bald wurde er tatkräftig vom ältesten Sohn Johann Friedrich unterstützt, der sich als begabter Zeichner und Kupferstecher erwies. Diesem war das väterliche Werk Inspiration und Vorlage, wobei er dessen Schwächen erkannte und bereits in jungen Jahren den Plan für eine „…durchaus umgearbeitete, systematisch geordnete, sehr vermehrte, vervollständigte und mit getreu nach der Natur gezeichneten Abbildungen versehene …“ Neuauflage fasste. Das war schließlich die „Naturgeschichte der Vögel Deutschlands“, die ab 1820 erschien. Da er sie als erweiterte Neuauflage betrachtete, nannte Johann Friedrich Naumann seinen Vater als Autor, als er 40-jährig, mit der Veröffentlichung begann. Dieses Werk dominierte sein weiteres Leben – drei Jahre nach seinem Tode erschien der letzte, überwiegend noch von ihm verfasste, 13. Band. 

Mit dieser Naturgeschichte legte Johann Friedrich Naumann die Grundlagen für die moderne Ornithologie Europas. Sie behandelte erstmalig das „Leben“: Aussehen, Fortpflanzung, Stimme, Lebensraum, Nahrung etc. aller Vögel Mitteleuropas. Die Abbildungen, ausschließlich von ihm selbst geschaffen und in Kupfer gestochen, zählen bis heute zu den lebendigsten Darstellungen der Vogelwelt. Neben den verschiedenen Auflagen des Buches nimmt die Ausstellung deshalb auch das künstlerische Schaffen des vielbegabten Naumann in den Blick, der stets den größten Wert auf die Ausführung und Weiterbearbeitung seiner Stiche legte, wie unter anderem Naumanns „Nachricht an die Illuminierer“ belegt, in der es beispielsweise heißt „Auch die Farben der Nebendinge müssen genau nach der Vorschrift sein, weil sie sorgfältig gewählt sind, und beim Ausmalen der Eier ist die größte Accuratesse nöthig“.

Mit Büchern und Originalblättern aus dem Naumann-Museum ist die Ausstellung nicht allein für Ornithologen ein Höhepunkt, sondern auch für Bücherfreunde und Liebhaber von Naturdarstellungen eine Bereicherung. (9. März)