Neues Schloss

Das Bauwerk auf dem Foto aus dem Museumsarchiv trägt den Namen „Neues Schloss“. Schülern des Köthener Ludwigsgymnasiums dürfte jedoch der Name „Haus III“ geläufiger sein, gehört es doch seit einigen Jahren - inzwischen saniert - zum Campus der Schule. Der Bauzeitpunkt des Gebäudes ist nicht bekannt, verschiedentlich ist zu lesen, dass es bereits vor der Anlage der heutigen Wallstraße um 1719 als Domizil für nicht regierende Prinzen und deren Familien bestanden haben soll. Im Zuge des Hausstreites zwischen Fürst Leopold von Anhalt-Köthen und seinem jüngeren Bruder August-Ludwig und der folgenden Teilung des Fürstentums erkaufte Letzterer - nun mit dem Titel Fürst von Anhalt-Köthen-Warmsdorf - das repräsentative Haus, wie eine Akte von 1722 zeigt. Aufschlussreich ist, dass der Fürst sich die dafür nötigen 10.000 Taler nicht nur bei seinem Bruder Leopold lieh, sondern diese wohl zu dessen Lebzeiten nie zurückzahlte. 1758 zog die „Fürstliche Müntze“ in die untere Etage des Hauses, 1821 fand die von Herzog Friedrich Ferdinand angekaufte Naumannsche Vogelsammlung für 14 Jahre dort ein erstes Köthener Domizil. 1857 gründete sich im Haus der Adelige Augusten-Stift, benannt nach der zwei Jahre zuvor verstorbenen letzten Herzogin von Anhalt-Köthen. 1946 lebten dort noch zwei Stiftsdamen, dazu siedelten zwei weitere aus dem ehemaligen Gisela-Agnes-Stift in der Stiftstraße über. Im September des gleichen Jahres wurde das Stift aufgelöst, 1947 fanden sich im Adressregister im Haus neben 24 weiteren Bewohnern fünf adlige Damen. Für 1953, 1970 und 1984 sind Sanierungen und Generalreparaturen belegt. Das Foto könnte durchaus diese letzte Sanierung vor der Wende zeigen.