Post

Diese Fotos zeigen das Postamt in der Lindenstraße. Das heute dort befindliche Gebäude des Postamtes hatte nicht von Anfang an die aktuelle Größe, sondern wurde nach dem ersten Bau zwanzig Jahre später erweitert.

Um 1400 führt die Leipziger Ratspost auf ihrem Weg nach Magdeburg durch Köthen, auch die sogenannte Ordinarpost, von Leipzig bis Hamburg reichend quert die Region und wird von den Fürsten von Anhalt gern genutzt. Im 17. Jahrhundert sind für Köthen fürstliche Botenmeister namentlich bekannt. Ab 1692 wird eine Postkutschenroute zwischen Dessau, Köthen, Bernburg und Halberstadt eingerichtet, sieben Jahre später die Köthener „Landpostenkutsche“. In diesem Jahr gibt es auch einen ersten Köthener Postmeister mit Namen Christian Illing, das Postamt ist in der heutigen Schlossstraße 10. Im 18. Jahrhundert entwickelt sich das Postwesen immer weiter, wird immer organisierter, die Wege zwischen den Stationen werden in Meilen ausgemessen, es gibt Verhaltens- und Qualitätskataloge für die Postillione, die ab 1788 auch eine einheitliche Uniform haben. Im gleichen Jahr sitzt der Köthener Postmeister am Holzmarkt 12.

Vieles ändert sich durch die französische Besetzung 1808, die Köthener Post wird in Struktur und Verfahren an das Königreich Westfalen angepasst, die Fahrpost zwischen Köthen und Leipzig eingestellt, der Briefverkehr nicht nur behindert, sondern auch massiv verteuert. 1813 stellt der Herzog, damals der minderjährige Ludwig Emil, ein herrschaftliches Haus am Schlossplatz 12 als Postamt zur Verfügung, in den nächsten Jahren wird das preußische Postrecht bestimmend, alte Routen werden durch neue ersetzt. Schließlich wird all dies durch einen Postvertrag zwischen Anhalt-Köthen und Preußen festgeschrieben, unterzeichnet von Herzog Friedrich Ferdinand in seinem Todesjahr 1830.

1840 werden durch die Einweihung des Bahnhofes ganz neue Möglichkeiten geschaffen, schon ein Jahr später gibt es ein Bahnpostamt, einen Bahnpostwagen und ein Telegraphenbüro. Gleichzeitig übernimmt der Landbriefträger die Zustellung der Post in den umliegenden Dörfern, bisher hatte das ein Post-Dienst u.a. durch Marktfrauen erledigt. Ab 1850 gibt es auch in Köthen Briefmarken und die Köthener Postämter bekommen Nummern, das am Schlossplatz die Nummer 268 (Amt Coethen), das am Bahnhof die Nummer 269 (Amt Coethen Bahnhof).

Ein Jahr, nachdem die neue Bezahlweise für die Pakete nach Gewicht in Köthen eingeführt wurde, liegt 1867 die Genehmigung für den Neubau eines Postamtes vor. Aber bis zum Bau dauert es noch, während die Entwicklung der Post rasant voranschreitet. 1873 gibt es im Köthener Stadtgebiet sechs Briefkästen und im Köthener Land neben dem städtischen noch drei weitere Postanstalten in Glauzig, Biendorf und Quellendorf.

Im Oktober 1878 werden 2000 Quadratmeter Bauland in der Lindenstraße gekauft, sie gehören zum ehemaligen Schlossparkgelände. 1884 erfolgt die Einweihung des Gebäudes als erstes Reichspost in ganz Anhalt. Schnell wird klar, dass das Gebäude zu klein werden wird, 1904 ist der Erweiterungsbau fertig, die Post bekommt das heutige Antlitz. 1914 gibt es im Köthener Land dann fünf Postämter, 16 Postagenturen und 60 Posthilfsstellen. 1929 folgt eine Zäsur: die Postkutschen werden abgeschafft, motorisierte Transporter von AEG übernehmen die Paketzustellung. Die Postfahrzeuge und auch die Briefkästen werden fünf Jahre später rot angestrichen, bis dahin hatte für die Briefkästen blau vorgeherrscht. 1936 eröffnet die sogenannte „Neue Post“ an der Edderitzer Straße, bis heute ist an dem Gebäude an der „Krankenhaus-Kreuzung“ die damals als Sgraffito angebrachte Darstellung einer Postkutsche zu sehen.

Die nächsten Jahre bringen öffentliche Fernsprecher in den Postämtern, 1939 wird auf dem Fliegerhorst ein Zweigpostamt gegründet. 1943 erhält Köthen im Rahmen der Einführung von Leitgebieten der Reichspost innerhalb des Gaues Magdeburg-Anhalt eine zweistellige Postleitzahl, die 19. Nach der Schließung des Postamtes am 11. April 1945 wird es erst wieder am 25. Mai geöffnet. Ab 1946 ist die Farbe der Post auf Beschluss des Alliierten Kontrollrates für alle Besatzungszonen einheitlich gelb.

1949 gehört Köthen zur Postdirektion Halle, Provinz Sachsen, ab 1952 zur Betriebsdirektion Post- und Fernmeldewesen Halle. Sieben Jahre später wird das Köthener Fernmeldeamt gegründet. Seit 1965 ist die Postleitzahl für Köthen die dreistellige 437. Ein weiteres Postamt wird 1972 gegründet. Es heißt „Joliot Curie“, befindet sich an der Turnhalle der Ingenieurhochschule und wird bis 1992 bestehen.

1980 wird die Postleitzahl vierstellig: 4370, 1990 lautet sie dann O-4370. 1992 schließt das Bahnpostamt, welches im heute als „Tanzschloss“ bekannten Gebäude befindlich war. Das Postamt in der Edderitzer Straße zieht bis 1999 in die Anhaltische Straße 1a. 1993 gibt es die neue Postleitzahl 06366. 2000 beginnt die private Briefzustellung auch in Köthen. Das Köthener Hauptpostamt ist bis heute noch in Betrieb, große Teile des Gebäudes sind aber nunmehr als „Haus am Schlosspark“ einer  Nutzung für betreutes Wohnen und einer Tagespflege zugeführt.

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