Reithalle

Das Foto zeigt den Äußeren Schlosshof zu DDR-Zeiten, mutmaßlich in den 70er Jahren. Im Vordergrund ist die Reithalle zu sehen, bzw. die Ruine derselben. Erbaut worden war die Reithalle 1821 durch den Architekten Bandhauer. Wie immer baute er innovativ, und besonders das Dach wird als sehr interessant beschrieben, ein Muldengewölbe, aufgehängt an den Sprengwerksbindern. Zu herzoglichen Zeiten zeigten hier gern die adligen Söhne ihr Können, eifrig beäugt von den Fräulein in eigens eingebauten Logen. Später hatten in den angrenzenden Stallungen Köthener ihre Pferde stehen, organisiert waren sie im „Anhaltischen Renn- und Reittier-Verein“, der auch Pächter der Reithalle war. Über diesen konnten hier Pferde quasi gemietet werden, oft auch von den Polytechnikern, also den Studenten, die zumeist aus wohlhabenden Häusern kamen. Im Krieg 1870/71 hatte die Reithalle ebenso als Lazarett gedient wie im Ersten Weltkrieg. Im Dritten Reich änderte sich der Betrieb der Reithalle, die damaligen Reitlehrer arbeiteten eng mit dem Köthener SA-Reitersturm, der Hitler-Jugend und der NS-Organisation „Kraft durch Freude“ zusammen. Der Ausbildungsbetrieb war straff geregelt, umfasste sowohl den Reitunterricht selbst als auch Unterweisung in die Pflege der Pferde. Weitere Nutzungen der Halle kamen hinzu, hier wurden Hengstkörungen abgehalten, bei schlechtem Wetter diente der Raum als Ausweichquartier für Appelle.

Am frühen Morgen des 23. Januar 1941 brach dann in der Reithalle ein großes Feuer aus. Immerhin konnte die Köthener Feuerwehr im Großeinsatz ein Übergreifen des Brandes auf die benachbarten Gebäude verhindern – von der Reithalle selbst blieben nur die Umfassungsmauern übrig. Man teilte am nächsten Tag mit, dass die polizeilichen Ermittlungen noch nicht abgeschlossen wären, aber mit Sicherheit könne ein Kurzschluss als Brandursache angenommen werden. In der Berichterstattung wird ausdrücklich auf die einmalige Konstruktion Bandhauers hingewiesen, zudem bedauert die Redaktion den Brand auch deshalb, weil es der SA gerade erst wieder gelungen sei, die kriegsbedingte Schließung des Reitbetriebes durch den Erwerb einiger Pferde wieder rückgängig zu machen.

Erst viele Jahrzehnte nach dem Brand wurde der malerischen Ruine durch den Einbau des Johann-Sebastian-Bach-Saales als Teil des Veranstaltungszentrums Schloss Köthen wieder Leben eingehaucht. Musiker aus aller Welt sind immer wieder verblüfft und begeistert über den wunderbaren Klang im Saal. Im Hintergrund des Bildes steht die St.-Marienkirche, einst als Schlosskirche auch von Bandhauer errichtet und Heim der katholischen Gemeinde. Der Bau dieses Gotteshauses ist eine Geschichte für sich, dies soll an anderer Stelle erzählt werden.