Schlossanlage

Es liegt nahe, dass das Foto zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden ist, eventuell auch aus den 1920er Jahren stammen könnte. Links im Bild ist das Alte Amtshaus zu sehen. Es war jener Teil der alten Schlossanlage, der den großen Brand von 1547 überstanden hatte. Damals war durch die „Verwahrlosung eines vollenn und schlaffenden Hoff Beckers“ das Schloss in Brand geraten und bis auf das besagte Gebäude niedergebrannt. Das Alte Amtshaus wurde beim Bombenangriff vom 20. April 1944 zerstört, zwei Menschen kamen dabei ums Leben.

1547 war ein Katastrophenjahr für Fürst Wolfgang von Anhalt-Köthen, der im gleichen Jahr mit dem Schmalkaldischen Bund die entscheidende Schlacht am Mühlberg gegen den Kaiser verlor und damit auch seines Landes verlustig ging. Ein neues Schloss wurde daher zunächst nicht gebraucht, Anhalt bis 1586 dann vereint von Dessau aus regiert. Mit dem Tod des Fürsten Joachim Ernst wurden Verhandlungen über eine Erbteilung begonnen, die erst 1606 vollzogen wurde. Immerhin war klar, dass Köthen einen neuen Fürsten bekäme. Dieser Fürst Ludwig lebte zwar noch in Italien, brauchte aber in absehbarer Zeit ein Schloss. Es wurde vom Baumeister Pietro Niuron erbaut, wobei das Geld auch damals schon ein Problem war. Schlosshauptmann von Börstell beklagte sich bei seinem Dienstherrn, dass dieser solch „erschröckliches Unterfangen“ fürderhin bleiben lassen solle. Auch die Ritterschaft war aufgebracht, wurden doch deren Arbeitskräfte und Fuhrwerke in Beschlag genommen. Immerhin, die Steine vom gerade erst eingestürzten Jakobskirchturm konnten günstig von der Stadt erworben werden.

1608 waren der rechts im Bild zu sehende Johann-Georgs-Bau und der rechtwinklig dazu stehende Ludwigsbau mit seinen charakteristischen Türmen fertig. Anfänglich muss der Johann-Georgs-Bau noch als Fachwerk ausgeführt und die heutige Außenmauer später vorgeblendet worden sein, dies legen Untersuchungen bei Restaurierungsarbeiten nahe. Auf alle Fälle hatte man das feuchte und sumpfige Gelände unterschätzt. Die auf Pfählen gesetzten Bauten mussten später mit den heute noch zu sehenden mächtigen Widerlagern gestützt werden.

Bisher wurde angenommen, dass das im Bild zentral zu sehende Torhaus ein Neubau von 1670 ist, die fürstlichen Initialen und die Jahreszahl deuten dies an. Restauratoren fanden in jüngster Zeit heraus, dass das vorherige Torhaus einfach mit dem heutigen Bau überformt wurde.