Trauer um Prof. Helga Thoene

Am 21. Januar verstarb Prof. Dr. Helga Thoene im Alter von 91 Jahren. Mit ihr verliert die Bach-Gedenkstätte im Schloss Köthen eine großartige Pädagogin, Musikerin, Bach-Forscherin und Mäzenin, die die Bach-Gedenkstätte und deren Freundes- und Förderkreis in beispielloser Weise unterstützte und finanziell förderte.

Helga Thoene lehrte viele Jahre als Professorin für Violine an der Musikhochschule in Düsseldorf und hat zahlreiche, einige später sehr bekannte, Instrumentalisten auf ihr Berufsleben vorbereitet. Bis ins hohe Alter gab sie jungen Musikern ihre Kenntnisse und Fertigkeiten, insbesondere in der historisch informierten Aufführungspraxis, weiter.

Der Bach-Gedenkstätte war Helga Thoene über fast drei Jahrzehnte aufs Engste verbunden. Sie gehörte zu den Mitbegründern des Freundes- und Förderkreises der Bach-Gedenkstätte im Schloss Köthen und übereignete dem Historischen Museum Instrumente von unschätzbarem Wert.

Hervorzuheben ist eine Viola d'amore, die 1720 gebaut wurde und eines der wenigen derartigen noch erhaltenen Instrumente von Georg Aman ist. Später folgten eine original barocke Violine von Matthias Klotz, gebaut 1728, sowie die Kopie einer barocken Violine nach Amati, entstanden um 1960. Gemeinsam mit ihrer Schwester Erika Thoene übereignete Helga Thoene Nachbauten eines Clavichords von Christian Gottlob Hubert (1787) sowie eines Querspinetts von Johann Heinrich Silbermann aus dem Nachlass des Bruders.

Helga Thoene widmete sich in besonderer Weise den Violin-Solo-Sonaten und-Partiten, die Bach in seiner Köthener Zeit (1720) in Reinschrift als Werkzyklus zusammenfasste. Neben der Beschäftigung mit der stilechten Interpretation dieser Werke veröffentlichte sie sowohl in eigenen Publikationen als auch in den Cöthener Bach-Heften Nr. 6 und 7 vielbeachtete analytische Studien dazu.

Durch ihre Schenkung früher Drucke dieses Werkzyklus konnte das Museum seine Ausstellung um besondere Raritäten bereichern, die die im frühen 19. Jahrhundert einsetzende Beschäftigung mit Bachs Werk belegen. Neben dem Faksimile des Originals handelt es sich um den Erst-Druck des vollständigen sechsteiligen Werkzyklus (1802) und die erste für die Spielpraxis eingerichtete Ausgabe (1843).

Die Mitglieder des Freundes- und Förderkreises und die Mitarbeiter des Museums gedenken Prof. Helga Thoenes in großer Dankbarkeit!

Sobald es wieder möglich sein wird, ist ein Besuch der Bach-Gedenkstätte mit besonderem Augenmerk auf die wertvollen Instrumente und interessanten Drucke unbedingt zu empfehlen.  Interessante Informationen dazu sind auch im Cöthener Bach-Heft 13 zu finden.

Inge Streuber, Freundes- und Förderkreis Bach-Gedenkstätte im Schloss Köthen

www.bachfreunde-koethen.de