Verborgener Museumsschatz vor der Kamera

Im Schloss Köthen geben sich die Fernsehteams die Klinke in die Hand. Nachdem Mitte November ARTE und NDR für eine Dokumentation über Johann Sebastian Bachs „Brandenburgische Konzerte“ im Spiegelsaal und im Schloss drehten, besuchte ein Team von MDR Kultur am 24. November das Depot der Prähistorischen Sammlung. Für den Online-Auftritt des Senders und einen späteren Sendetermin im Fernsehen wurde binnen eines Tages das Material für einen fünfminütigen Beitrag innerhalb der Reihe „HiDDen – Digitales Depot Mitteldeutschland“ aufgenommen. Unter dem Motto „Verborgene Museumsschätze“ werden in diesem Format Kunstwerke und Exponate in den Blick genommen, die den Besuchern ansonsten verborgen bleiben, denn die Depots sind deren Aufenthaltsort und lediglich bei Sonderausstellungen werden sie der Öffentlichkeit gezeigt.

So verhält es sich auch mit den Skeletten und Knochenüberresten einer Frau, eines Kindes und zweier Rinder aus dem Köthener Museum, deren Geschichte sich nun zu bereits produzierten Filmen über die Merseburger Zaubersprüche oder ein Aquarell von Wassily Kandinsky gesellt. Neben Andreas Geisler, dem Leiter der Prähistorischen Sammlung, war Anne-Kathrin Kokles kompetente Gesprächspartnerin. Die Doktorandin an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ist am Institut für Kunstgeschichte und Archäologie Expertin für „jungsteinzeitliche Deponierung“, wie sie es umschreibt. Die „Mehrfachbestattung“ von Menschen und Rindern aus Biendorf (Salzlandkreis) ist das Thema ihrer Doktorarbeit. Den Fund, der in einer Kiesgrube 1933 gemacht worden ist und von Walter Götze, dem Gründer der Prähistorischen Sammlung im Schloss Köthen, geborgen und dokumentiert wurde, beschäftigt Anne-Kathrin Kokles also schon seit langem.

Vor der Kamera berichtete sie davon, dass die Frau und das Kind wohl nicht zeitgleich - um 3400-3100 v.Chr. – begraben wurden. Die Frau – mutmaßlich zwischen 20 und 30 Jahren alt und von kleiner Statur – sei etwa 250 Jahre nach dem Kind und den beiden Rindern in die Grabstätte gelegt worden. Warum Menschen gemeinsam mit den Tieren begraben worden sind, versucht Kokles herauszufinden. „Es handelt sich wohl um Opfertiere“, sagt die Wissenschaftlerin. „Dieser Fund liefert der Wissenschaft noch Gesprächsstoff für die Zukunft“, so Kokles. Eine genetische Untersuchung wäre beispielsweise ein nächster Schritt.

Im Depot der Prähistorischen Sammlung wurden die 13 Kartons, die den Biendorfer Fund bewahren, jedenfalls ausführlich begutachtet und ins rechte Kameralicht gerückt. Journalistin Claudia Euen, die den Beitrag im Auftrag des MDR verantwortet, erfuhr aber auch, dass die Biendorfer Kiesgrube noch weitere archäologische Schätze barg. So wurde dort bereits 1929 ein steinzeitliches Frauenskelett gefunden. Insgesamt, so entnahm es Andreas Geisler den Papieren, sind in der Gemeinde Biendorf 16 archäologische Funde gemacht worden. So spannend, dass es auch für einen MDR-Beitrag ausreicht, sind freilich nur Frau, Kind und Rinder aus der Jungsteinzeit. (24. November)