Villa Krause

Die Villa in der Dr.-Krause-Straße 31 hat jene Persönlichkeit erbauen lassen, nach der die Straße benannt wurde: Professor Dr. Georg Krause. Der Wissenschaftler, Verleger und Hofrat schuf sich hier ein luxuriöses Heim. Gebaut wurde ab den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts und vollendet zunächst 1890. Es folgten Anbauten und Änderungen, darunter 1900 die Aufstockung um eine Etage. Die Bilder zeigen die Opulenz des Hauses, die in der Nutzung nach dem Zweiten Weltkrieg keine Rolle mehr spielte. Nach 1949 wurde es zum Pionierhaus. Hier gab es vor allem in den Ferien ein breites und natürlich zentral gelenktes Kulturangebot für die Jugend. Von Arbeitsgemeinschaften über Theater und Kino bis hin zu Festen und Konzerten reichte die Palette, besonderen Eindruck machte ein für einige Jahre im Garten befindliches russisches Flugzeug vom Typ MIG. Heute ist das Haus in Privatbesitz.

Wer war Professor Dr. Georg Krause? 1849 in Köthen geboren, hatte der Sohn des Hofrates und Schlossbibliothekars Gottlieb Krause zunächst eine Lehre zum Apotheker abgeschlossen, einige Jahre später Chemie an der Universität Berlin studiert und 1875 an der Universität Jena seinen Doktor gemacht. Neben seiner Forschungsarbeit machte ihn die „Chemiker-Zeitung“ berühmt und auch wohlhabend. Seit 1877 erschien sie als „Centralorgan für Chemiker, Techniker, Ingenieure, Maschinenbauer, Fabrikanten chemisch-technischer Apparate – Correspondenzblatt chemischer, technischer und Gewerbe-Vereine – Chemisches Central-Annoncenblatt“ und war weltweit einzigartig. Nach dem Verkauf der Zeitung 1905, die in Köthen zuerst in der Augustenstraße, später in der Kurzen Straße verlegt wurde, war Krause Privatier. Nicht nur seine vielfältigen Stiftungen und Schenkungen sorgten für einen hohen Bekanntheitsgrad, seine Persönlichkeit wurde bereits zu Lebzeiten durchaus als speziell und schrullig beschrieben. Ausdruck fand dies in vielen Anekdoten über ihn und skurrilen Fotos von ihm, die ihn teils mit übergroßem Kopf oder etwa in Frauenkleidern zeigen - selbstinszeniert wohlgemerkt. Keinesfalls darf dabei übersehen werden, dass sich hinter dem vermeintlich „komischen Kauz“ ein warmherziger und sozial eingestellter Mensch und genialer Wissenschaftler verbarg. 1927 ist er verstorben.

Ein Zitat Krauses verrät viel über diesen Menschen, der nach außen hin so selbstsicher wirkte: „Ihr Freunde! Wenn Ihr mich begrabt, so sei auf meinem Grab zu lesen: Er hat sein Lebtag Glück gehabt, Doch – glücklich ist er nie gewesen!“

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